Sonntag, 18. September 2016

Kann Geld auch Freiheit fördern?

Die obige Frage enthält bereits eine suggestive Unterstellung und zwar, dass Geld normalerweise Freiheit nicht fördern würde. Dabei scheint der Gedanke naheliegend, dass Menschen sich freier fühlen würden, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Oberflächlich betrachtet kann es durchaus diesen Anschein haben. Für die Mehrheit der Menschen ist es allerdings recht schwierig, ihre finanziellen Einkünfte zu steigern. Bei der Dauer an Lebenszeit, welche die meisten Menschen hingeben müssen, um genügend Geld für ihre grundlegenden Lebensbedürfnisse zu bekommen, ist es schwierig, Freiheit zu erleben.

Jeder Mensch ist frei. Einem Menschen diese Freiheit abzusprechen ist in meinen Augen vor allem ein entscheidender Schritt, um ihn beherrschen zu können. Ein Mensch, welcher sich seiner Freiheit in jedem Moment seines Lebens bewusst ist, lässt sich nicht durch Angst oder Gesetze davon abhalten, nach seinen Werten zu leben. Aus der Perspektive einer absoluten Freiheit wird deutlich, dass alle Regeln, Vereinbarungen und sozialen Verhaltensweisen nicht selbstverständlich sind, welche in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen. Egal wie wichtig uns bestimmte Umgangsformen sein mögen, sie müssen sich in jedem Moment neu bewähren, um fortzubestehen. Auch die Anerkennung der Freiheit bildet hier keine Ausnahme. Das Besondere an der Freiheit ist allerdings, dass jeder Versuch, sie mit anderen Mitteln als ihrer selbst zu schützen, sofort zu einem Widerspruch führt. Niemals kann jemand Freiheit durch Forderungen oder gar Zwang erreichen. Insofern enthält die Anerkennung der Freiheit sofort die Gleichheit. Aus der Perspektive einer widerspruchsfreien Ethik kann jeder Mensch nur die Freiheit in dem Umfang für sich geltend machen, welche er in gleichem Umfang jedem anderen Menschen ebenfalls einräumt.

Wenn ich auf unser heutiges Geldsystem schaue, erkenne ich sofort, wie weit unser Geldsystem von einem Zustand der Gleichheit entfernt ist. Dabei geht es mir nicht darum, dass Geld absolut gleich verteilt sein soll. Es geht ausschließlich um die Zugangsmöglichkeit zum Geld. Es geht um Chancengleichheit und nicht um Gleichheit im Ergebnis. Eben diese Ungleichheit im Zugang halte ich für problematisch und in letzter Konsequenz für unfair, weil diese eine Rückwirkung darauf hat, in welchem Umfang Menschen ihre persönliche Freiheit ausleben können. Wie schwer oder leicht es jemandem fällt, seinen eigenen Wünschen und Träumen zu folgen, hängt in unserer Gesellschaft sehr stark vom individuellen Zugang zum Geld ab.

Daher habe ich mich damit beschäftigt, ein Geldsystem zu entwerfen das mehr Chancengleichheit systemisch sicherstellt und dadurch Menschen dabei unterstützt, sich selbst zu verwirklichen und nach den eigenen Werten zu leben. Der Name dieser komplementären Währung ist Credere. Die Kaufkraft soll zunächst 1:1 dem Euro entsprechen, auch wenn die Währung nicht durch Euro gedeckt sein wird. Credere wird ausschließlich durch die Leistungen der Teilnehmer gedeckt sein. Das Geldsystem funktioniert nach zwei einfachen Regeln. Die erste Regel betrifft die Geldschöpfung, welche direkt an den Menschen gebunden wird. Je nach Beteiligungsquote in einem Land liegt die Geldschöpfung bei 100 Credere bis maximal 1.000 Credere pro Kopf und Monat. Um seine Funktion als Zahlungsmittel erfüllen zu können, muss die Geldmenge von Credere begrenzt werden. Für diese Begrenzung sorgt die zweite Regel in Form einer Geldvernichtung. Diese liegt bei 1 % pro Monat und somit bei 12 % pro Jahr. Allein mit diesen beiden Regeln erhalte ich ein Geldsystem, welches jedem Menschen einen Zugang zu Liquidität ermöglicht. Die Geldmenge passt sich automatisch an die Anzahl der Teilnehmer an.

Mit der Geldvernichtung, die keine Gebühr sondern eine wirkliche Löschung darstellt, entsteht gleichzeitig ein ausgleichender Faktor, welcher dem Zinseszins entgegen wirkt. Credere kann nicht durch Kreditvergabe erzeugt werden, daher ist jeder Kredit in Credere auch mit einem Liquiditätsverzicht verbunden. Die Geldmenge bei Credere ergibt sich allein aus der Anzahl der beteiligten Menschen und wird nicht im Interesse einzelner Gruppen angepasst. Da alle teilnehmenden Menschen in gleicher Weise von der Geldschöpfung profitieren, ist auch die Vermögensumverteilung durch Inflation ausgeschlossen. Credere wird nur als elektronische Währung existieren, so dass alle Guthaben der täglichen Vernichtung in Höhe von 1/30 % unterworfen werden. Dadurch wird die Wertspeicherfunktion von Credere geschwächt und der Fokus auf die Zahlungsfunktion gelenkt. Meiner Ansicht nach ist die Zahlungsfunktion die wichtigste Funktion einer Währung, da der Austausch von Gütern die Grundlage darstellt, um den Wohlstand aller Menschen in einer Gesellschaft zu mehren. Hingegen nutzt die Wertspeicherfunktion vor allem jenen, welche mehr Geld haben als sie für ihren Lebensunterhalt benötigen und durch Zurückhalten von Geld ihre Verhandlungsmacht gegenüber denjenigen stärken können, welche auf regelmäßige Geldzuflüsse angewiesen sind. Hier sorgt Credere gegenüber dem heutigen Geldsystem für eine Veränderung der Verhandlungsmacht, u. a. auch bei Lohnverhandlungen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kurzen Einblick in ein anderes Geldsystem vermitteln, welches in meinen Augen mehr Freiheit für alle Teilnehmenden ermöglichen kann. Als nächstes möchte ich dafür sorgen, dass die elektronische Plattform realisiert wird. Wer mich gerne dabei unterstützen möchte ist herzlich willkommen. Ich freue mich ebenfalls über Interesse, Fragen und Austausch. Wer gerne mehr Informationen nachlesen oder anhören möchte, findet weiterführende Links auf meiner Webseite unter credere.eu.